Social Media Einsatz an Hochschulen
Zu guter Letzt…

Der Begriff Social Media ist im Laufe meines bisherigen Studiums schon oft gefallen, erklärt und diskutiert worden. Doch mit dem speziellen Hinblick auf die Möglichkeiten, die den Hochschulen geboten wird, habe ich mich vorher noch nicht auseinander gesetzt. Auch wenn die Begriffe Wiki, Blog, RSS-Feed usw. bekannt waren, war es doch interessant herauszufinden, wie und wo diese eingesetzt werden können und welche Vor- und Nachteile sich bieten.

Besonders wichtig finde ich den Aspekt der Weiterbildung für Lehrer und Dozierende. Hier fällt oft auf, dass diese sich mit den neuen Medien nicht intensiv genug auseinandersetzen, obwohl dies in der heutigen Zeit von Nöten ist. An meiner Heimatuniversität gibt es einige Beispiele dafür. Gerade auch in Fachrichtungen, die mit Internet- oder Computeranwendungen und Systemen zu tun haben, sollte man in der Lage sein, sich auch über die neueren Entwicklungen rund um das Internet zu informieren. Wenn den Studenten schon kein neues Wissen vermittel werden kann, dann sollten die Lehrenden doch zumindest auf gleichem Stand sein.

Im Zusammenhang mit den Lern-Management Systemen ist interessant festzustellen, wie viele Möglichkeiten alleine die Open-source basierten Lösungen den Hochschulen bieten. Hier interessiere ich mich sehr für die zukünftigen Entwicklungen. Denn optimal wäre es, ein einheitliches System durchzusetzen. Sodass z.B. Partnerhochschulen das gleiche System nutzen oder sogar darüber hinaus, dass es in einiger Zeit ein deutschlandweit verbreitetes System gibt, von welchem auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Hochschulen profitieren kann.

Das Bloggen allgemein fiel mir eher schwer. Gerade zum Beginn wusste ich nicht, welche Themen ich zum Vertiefen behandeln sollte. Doch gerade jetzt, beim Schreiben meines Fazits, merke ich, dass ich mich doch recht kritisch mit dem Thema auseinandersetzen kann und viel gelernt habe. Zum größten Teil noch nicht einmal unbedingt durch die Blogeinträge alleine, sondern vielmehr durch die ganze Recherche drumherum.

Collabuni


Collabuni ist eine Social Media Plattform. Der Name setzt sich zusammen aus Collab(oration) und Uni(versität), so kann bereits aus dem Namen geschlossen werden, worum es hierbei gehen soll. Es soll die Zusammenarbeit an der Universität fördern und als soziales Netzwerk im Unialltag genutzt werden.
Collabuni wurde als Projektarbeit von Studenten im Rahmen eines Seminars an der Universität Hildesheim entwickelt. Es ist also eine Plattform von Studenten, für Studenten und Dozenten.
Um sich als Nutzer zu registrieren muss eine E-Mailadresse der Universität Hildesheim vorhanden sein, denn es handelt sich um ein geschlossenes System, welches nur den Mitgliedern der Universität zugänglich ist. Einmal registriert kann ein eigenes Profil angelegt werden, man kann sich mit seinen Kommilitonen und Dozenten vernetzen, Freundschaftsanfragen und Nachrichten versenden und auf Pinnwände schreiben. Dies klingt ziemlich nach einem sozialen Netzwerk, aber warum handelt es sich um eine Social Media Plattform? Welche Funktionen unterscheidet es von anderen sozialen Netzwerken?
Dazu kann gesagt werden, dass es zum Einen eben nicht nur den Austausch zwischen den Studenten unter sich bietet, sondern auch zwischen Student und Dozent. Der Aspekt, dass es in Form eines sozialen Netzwerks ist, nimmt der Kontaktaufnahme mit den Dozenten oder wissenschaftlichen Mitarbeitern der Uni den „offiziellen Charakter“. Das versenden von Nachrichten geschieht auf einer persönlicheren Ebene als z.B. bei dem verschicken einer E-Mail. Da der Dozent auch das Profil des Studenten einsehen kann, weiß er auch, mit wem er es zu tun hat. Und der Student kann ebenso das Profil des Dozenten einsehen.
Weiterhin können Gruppen erstellt werden, auch nichts neues im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken, aber hier können diese Gruppen beispielsweise im Rahmen eines Seminars erstellt werden, welchen nur die Teilnehmer des Kurses beitreten können, um sich hier auszutauschen, Dateien und Leistungsnachweise hochzuladen oder diese auch direkt in Collabuni, in Form einer „Ansicht“, zu erstellen.
Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass die Idee von Collabuni gut ist. Es fehlt leider nur eine kontinuierliche Nutzung der Studenten. In meinem Fall gab es bisher nur in einem Kurs den Anreiz, Collabuni regelmäßig zu nutzen. Auch von anderen habe ich keine positiven Kommentare sammeln können. Seit dem Beginn des Wintersemesters nehme ich an einem „Porfolio interkultureller Kommunikation und Kompetenz“ teil, für welches ich ECTS erhalte und meinen Aufenthalt zusammenfasse und Ereignisse reflektiere. Die Aufgaben werden direkt bei Collabuni bearbeitet und hochgeladen. Ich denke hier ist eine gute Möglichkeit genutzt worden, da sich jedes Semester neue Studenten ins Ausland begeben und so immer eine Nutzung stattfinden könnte.

Social Media Marketing

Ein Beispiel für die Nutzung von Twitter zeigt die Queen´s School of Business in Kanada. Hier werden nicht nur Informationen zur Verfügung gestellt und Fragen beantwortet, sondern sie suchen auch aktiv nach Erwähnungen, die sie betreffen, um dann mit den Personen, die diese Begriffe in ihren Twittermeldungen benutzt haben, in den Dialog zu treten.
Bei Youtube findet man zudem Zahlreiche Informationsvideos. Die Universität Hildesheim hat zum Beispiel Filme wie: Der Weg zum Studienplatz oder einen allgemeinen Infofilm bereitgestellt. Diese bieten einen Einblick in das Studienleben. Sie zeigen die Standorte der Universität, sowie die Stadt Hildesheim mit ihren Vorzügen.

Social Media Marketing

Hochschulen haben nach und nach das Social Media Marketing für sich entdeckt. Während sich Studieninteressierte früher nur über Informationsveranstaltungen der Hochschulen, Studienberatung oder durch Werbung in den Printmedien informieren konnten wird ihnen dies immer mehr erleichtert. Die beliebtesten Kanäle dafür sind Facebook, Twitter und Youtube. Die Hochschulen wollen so mit ihnen, den Studieninteressierten, sowie auch den Schülern, Studenten und Alumni. So wollen sie mit den Zielgruppen in den Dialog treten ( Kommentare bei Facebook, Feedback bei Twitter), Vertrauen aufbauen und den Bekanntheitsgradsteigern (z.B. durch Mund zu Mund Propaganda).
Insgesamt nutzten 2011 410 Hochschulen die drei genannten Social Media Plattformen. 195 bei Facebook, 110 bei Twitter und 113 bei Youtube. Die ersten Hochschulen wurden in den Jahren 2007 und 2008 im Gebiet des Social Media Marketings aktiv. In den Jahren 2010 und 2011 gab es dann einen starken Anstieg der Nutzung.
Die Universität Augsburg hat zum Beispiel eine Facebook Seite der Studienberatung, auf welcher Interessierte Fragen auf die Pinnwand posten können, welche dann zeitnah und persönlich beantwortet werden.

 


Online Kurse

Interessante Angebote zu Veranstaltungen zum Thema Social Media gibt es in verschiedenen Formen. Wie auch schon an der HTW Chur angeboten können diese in Form von Vorträgen von Experten und Diskussionsrunden stattfinden. Das IMK-Forum zum Thema „Chance Social Media“fand am 02.12.2011 statt war interessant und sehr gut besucht.
Eine andere Möglichkeit bieten online Kurse oder Webinare. Von der FH Joanneum zum Beispiel gab es im November 2011 ein Angebot eines Online Kurses zum Thema „Lernen und Lehren mit Social Media“. Das Konzept des Kurses baut auf Gruppenarbeiten, in denen die Teilnehmer die Chancen und Risiken von Social Media experimentell herausfinden sollen. So sollen sie sich persönlich weiterentwickeln und daraus Nutzen für den Beruf und Privatleben ziehen. Mit Unterstützung eines Moderators werden die Kurse auf verschiedenen Social Media Plattformen abgewickelt. Die Zielgruppe waren Schul- und Hochschullehrer, sowie Trainer, die sich mit dem Thema Social Media befassen. Es lief über einen Zeitraum von 3 Wochen und kostet 390 Euro pro Teilnehmer.

In einem Erfahrungsbericht einer Moderatorin dieses Kurses wird gesagt, dass die erste Woche eher nur eine Auseinandersetzung mit dem Kurs, mit der Gruppe und mit der Social Media Plattform selbst gewesen seinen und es sei eher nervenaufreibend gewesen. Nach der ersten Woche gab es dann keine technischen Probleme mehr. Die Evaluation des Kurses läuft noch und im Frühjahr 2012 soll der nächste Kurs, in welchen die Erfahrungen des ersten zur Anpassung einfließen sollen, angeboten werden.

Ich denke, dass diese Art einer Weiterbildung für Lehrende eine gute Möglichkeit bietet, den mit den neuen Medien zu lernen oder zu vertiefen. Gerade weil in diesem Kurs Wert auf eine gemischte Gruppe (verschiedene Stufen der Vorkenntnisse und unterschiedliche Erfahrungen) gelegt wird, können voneinander profitieren.

Herr Larbig

Am 21. Juni 2011 fand das Fachforum „Lernen in sozialen Netzwerken“ an der Goethe-Universität Frankfurt/Main statt.                                                                                                                                       

Der Ankündigungstext des Fachforums lautet:                                                                             

„Während die Vernetzung in den so genannten Social Communities für viele Menschen zur Selbstverständlichkeit geworden ist, wagen sich Hochschulen und Bildungseinrichtungen nur langsam an die Einbeziehung solcher Netzwerke in ihre Bildungsprozesse heran.“

Es gibt einen interessanten Blogeintrag von Torsten Larbig, welcher bei diesem Fachforum die Grundlage für seinen Vortrag darstellte. Dieser Blogbeitrag behandelt das Thema „Vernetztes Lernen und Lehrer – Fortbildung in sozialen Netzwerken“.

Dort spricht er über die konventionelle Art, wie Fortbildungen für Lehrer ablaufen. Daran äußert er einige Kritik, man müsse sich als Lehrer so immer an den Ort der Fortbildung begeben, Beurlaubt werden oder sich einen Tag frei nehmen, es entstehen teilweise enorme Kosten, es gäbe keine Garantie dafür, dass die Fortbildung auch Erfolg im Beruf bringt und die Inhalte würden nicht veröffentlicht werden. Als besonders interessant erachte ich, dass er sagt, bei dieser Art der Fortbildung seinen nur Fachleute unter sich und der Austausch mit „nicht Fachleuten“ wie Schülern oder den Eltern fehle. Daraufhin erzählt er von seinen Erfahrungen, die er mit Social Media gemacht hat.

„Was mich ins Internet brachte, dem ich durchaus auch kritisch gegenüber zu stehen meine, waren nicht die Themen von Fortbildungen. Es war nicht die Geschlossenheit formeller, hierarchischer Lernstrukturen, die mir nicht erlauben wollten, zu Zeiten zu lernen, zu denen mir das möglich ist, und auch Menschen beim Lernen zu begegnen, die vielleicht nicht zur eigenen Profession gehören.

Was mich ins Internet brachte war schlicht und ergreifend der Mangel an angemessenen auf Computer bezogene Fortbildungen, die nicht bei der Erläuterung des Einloggens in einen Rechner begannen (…) Ich kam ins Internet, weil ich wissen wollte, wie das funktioniert.“

„Zunächst einmal muss man lernen, wie das Netz, dass man verwenden will, funktioniert. Dann kann man es mit Inhalten füllen. Ein Fischernetz ist sinnlos, wenn ich nicht weiß, welche Maschengröße für welche Fische gebraucht wird. Ein Einkaufsnetz ist wenig hilfreich, wenn die Maschen so groß sind, dass die Butter raus fällt.

Und damit war die Basis für andere Fortbildungsaktivitäten geschaffen, die sich „einfach so“ einstellten, weil der Dialog mit Menschen, die an Bildungsfragen interessiert sind, zu einem dauernden Dialog wurde, der nicht nur punktuell stattfindet, sondern ständig.“

Die Selbstbestimmung steigt, man kann selbst über Zeit, Zugriff der Inhalte entscheiden und richtet sich nicht nach irgendwelchen Zertifikaten, welche für konventionelle Fortbildungen ausgestellt werden, sondern nach dem Inhalt. So gab es über Torsten Larbig lange Zeit keine weiteren Informationen zu Ausbildung und Abschlüssen (nur nach ständiger Nachfrage ergänzte er Stichwortartig einige Daten).

Er unterscheidet formelle von informellen Lernprozesse. Formelles Lernen sei hierarchischer Natur und fände in geschlossenen Umgebungen mit festgelegten Rollen statt, während das informelle Lernen dagegen in offenen Systemen stattfindet und oft anspruchsvolle Diskussionen ermöglicht. Somit werden diese Lernprozesse für die Öffentlichkeit zugänglich.

Warum werden interne und geschlossene Systeme nur selten genutzt?

Weil so nur ein kleiner Kreis von anderen Nutzern erreicht wird, während es in öffentlichen Netzwerken möglich ist, viel mehr Menschen zu erreichen.

Er greift noch einmal die Metapher mit dem Fischer- und Spinnennetz auf und zieht den Schluss:

„Fischer benutzen Netze, weil der Inhalt sie und andere Menschen nährt. Spinnen nutzen Netze, um Nahrung zu finden. In diesem Sinne kann ich mit der Netzmetapher dann am Ende doch gut leben, denn auch das Internet kann dazu beitragen, dass man im Lehreralltag kontinuierlich Nahrung findet, die dazu beiträgt, dass man wirklich ein reflektierender Praktiker wird, Nahrung, die im Austausch besteht, der sich nicht auf Lehrerzimmerthemen beschränkt, weil man eben nicht an einer Schule ist.“

moodle

Die Abkürzung „moodle“ steht  für modular object orientiented dynamic learning environment. Dieses Kurs Management System ist als Open-source verfügbar. Und ist in mehr als 200 Ländern und fast 80 Sprachen verfügbar und ist damit das verbreitetste LMS. Hauptsächlich findet es Verwendung in Schulen und Hochschulen, aber auch in Unternehmen. Es kann sowohl für kleine, als auch für große Communities eingesetzt werden.

Auf der Community Seite moodle.org findet man einen Downloadbereich, welcher die aktuellsten Versionen zur Verfügung stellt, hier werden die Benutzer angeregt über das System zu diskutieren und so bei der Weiterentwicklung zu helfen.

„moodle“ ist nach einzelnen Kursen gegliedert, welche nur von Teilnehmern eingesehen werden können. Sie werden entweder von den Dozenten eingeschrieben oder können sich selbst mit einem Passwort anmelden. Je nach Rolle (Trainer/Dozent/Lehrer oder Schüler/Student/Teilnehmer) gibt  es entsprechend zugewiesene Rechte.

Es können Texte, Dateien und Links eingestellt werden, es kann über Foren, einem Messenger oder Chat kommuniziert werden und es verfügt  über Wiki und Blog Funktionen. Weiterhin können Abstimmungen durchgeführt werden, Abgabefristen gesetzt und Ausarbeitungen hochgeladen werden. Neben diesen Standardmodulen gibt es auch eine Vielzahl an Zusatzpaketen.

Neben allen kostenlosen Paketen gibt es auch kommerzielle Angebote. Darunter fallen unter anderem Hosting, Consulting, Installation, Customisation, Training, Design und Zertifizierung. Diese Dienstleistungen werden von Unternehmen, den „moodle-Partnern“, weltweit zur Verfügung gestellt.

Der deutsche „moodle Partner“ ist eLeDia, das Unternehmen bietet verschiedene Dienstleistungen. Auf ihrer Homepage beschreiben sie sich als:

eLeDia – eLearning im Dialog ist Full-Service-Dienstleister für Moodle und die Anpassung und Integration von Moodle an Ihre Anforderungen.

Zu ihren Dienstleistungen gehören Schulungen und Workshops, welche von einer Basisinfso mit der Dauer einer Stunde, welche online stattfinden und kostenfrei sind, bis hin zu 3 Tages Seminar, welche 600 Euro pro Teilnehmer kosten und Unternehmensinterne Workshops, welche individuell angepasst werden (hierfür wird auf der Homepage kein Preis genannt).