Herr Larbig
Am 21. Juni 2011 fand das Fachforum „Lernen in sozialen Netzwerken“ an der Goethe-Universität Frankfurt/Main statt.
Der Ankündigungstext des Fachforums lautet:
„Während die Vernetzung in den so genannten Social Communities für viele Menschen zur Selbstverständlichkeit geworden ist, wagen sich Hochschulen und Bildungseinrichtungen nur langsam an die Einbeziehung solcher Netzwerke in ihre Bildungsprozesse heran.“
Es gibt einen interessanten Blogeintrag von Torsten Larbig, welcher bei diesem Fachforum die Grundlage für seinen Vortrag darstellte. Dieser Blogbeitrag behandelt das Thema „Vernetztes Lernen und Lehrer – Fortbildung in sozialen Netzwerken“.
Dort spricht er über die konventionelle Art, wie Fortbildungen für Lehrer ablaufen. Daran äußert er einige Kritik, man müsse sich als Lehrer so immer an den Ort der Fortbildung begeben, Beurlaubt werden oder sich einen Tag frei nehmen, es entstehen teilweise enorme Kosten, es gäbe keine Garantie dafür, dass die Fortbildung auch Erfolg im Beruf bringt und die Inhalte würden nicht veröffentlicht werden. Als besonders interessant erachte ich, dass er sagt, bei dieser Art der Fortbildung seinen nur Fachleute unter sich und der Austausch mit „nicht Fachleuten“ wie Schülern oder den Eltern fehle. Daraufhin erzählt er von seinen Erfahrungen, die er mit Social Media gemacht hat.
„Was mich ins Internet brachte, dem ich durchaus auch kritisch gegenüber zu stehen meine, waren nicht die Themen von Fortbildungen. Es war nicht die Geschlossenheit formeller, hierarchischer Lernstrukturen, die mir nicht erlauben wollten, zu Zeiten zu lernen, zu denen mir das möglich ist, und auch Menschen beim Lernen zu begegnen, die vielleicht nicht zur eigenen Profession gehören.
Was mich ins Internet brachte war schlicht und ergreifend der Mangel an angemessenen auf Computer bezogene Fortbildungen, die nicht bei der Erläuterung des Einloggens in einen Rechner begannen (…) Ich kam ins Internet, weil ich wissen wollte, wie das funktioniert.“
„Zunächst einmal muss man lernen, wie das Netz, dass man verwenden will, funktioniert. Dann kann man es mit Inhalten füllen. Ein Fischernetz ist sinnlos, wenn ich nicht weiß, welche Maschengröße für welche Fische gebraucht wird. Ein Einkaufsnetz ist wenig hilfreich, wenn die Maschen so groß sind, dass die Butter raus fällt.
Und damit war die Basis für andere Fortbildungsaktivitäten geschaffen, die sich „einfach so“ einstellten, weil der Dialog mit Menschen, die an Bildungsfragen interessiert sind, zu einem dauernden Dialog wurde, der nicht nur punktuell stattfindet, sondern ständig.“
Die Selbstbestimmung steigt, man kann selbst über Zeit, Zugriff der Inhalte entscheiden und richtet sich nicht nach irgendwelchen Zertifikaten, welche für konventionelle Fortbildungen ausgestellt werden, sondern nach dem Inhalt. So gab es über Torsten Larbig lange Zeit keine weiteren Informationen zu Ausbildung und Abschlüssen (nur nach ständiger Nachfrage ergänzte er Stichwortartig einige Daten).
Er unterscheidet formelle von informellen Lernprozesse. Formelles Lernen sei hierarchischer Natur und fände in geschlossenen Umgebungen mit festgelegten Rollen statt, während das informelle Lernen dagegen in offenen Systemen stattfindet und oft anspruchsvolle Diskussionen ermöglicht. Somit werden diese Lernprozesse für die Öffentlichkeit zugänglich.
Warum werden interne und geschlossene Systeme nur selten genutzt?
Weil so nur ein kleiner Kreis von anderen Nutzern erreicht wird, während es in öffentlichen Netzwerken möglich ist, viel mehr Menschen zu erreichen.
Er greift noch einmal die Metapher mit dem Fischer- und Spinnennetz auf und zieht den Schluss:
„Fischer benutzen Netze, weil der Inhalt sie und andere Menschen nährt. Spinnen nutzen Netze, um Nahrung zu finden. In diesem Sinne kann ich mit der Netzmetapher dann am Ende doch gut leben, denn auch das Internet kann dazu beitragen, dass man im Lehreralltag kontinuierlich Nahrung findet, die dazu beiträgt, dass man wirklich ein reflektierender Praktiker wird, Nahrung, die im Austausch besteht, der sich nicht auf Lehrerzimmerthemen beschränkt, weil man eben nicht an einer Schule ist.“