Neu an der HTW eingeführt wurde das Learning Management System „moodle“, welches an meiner Heimatuniversität in Hildesheim schon seit meinem Studienbeginn 2009 in Benutzung ist. Deswegen ist es interessant einmal etwas mehr darüber in Erfahrung zu bringen.
Wie schon erwähnt sind Lernplattformen oder Learning Management-Systeme (LMS) Softwaresysteme, welche bei der Bewältigung verschiedener Aufgaben im Hochschulkontext helfen sollen. Hierzu zählen Verwaltungsangelegenheiten, welche den Rollen und damit differenzierten Rechten entsprechend ausfallen. So können je nachdem, ob es sich um Studenten, Tutoren oder Dozenten handelt die anfallenden Arbeiten, wie Dokumenten-, Kurs- und Prüfungsverwaltung, Kommunikation per Mail oder Abrufen von Neuigkeiten, Autoren Arbeiten oder lernunterstützende Aufgaben (das Runterladen von Skripten, Abgabe von Leistungsnachweisen oder Bearbeitung von Wikis) durchgeführt werden.
Die Hochschule hat hier viele Auswahl Möglichkeiten zwischen verschiedenen Formen von LMS. Eine Zahl, wie viele verschiedene LMS es momentan gibt ist schwer zu nennen. Schätzungen liegen zwischen 120 und 250. Diese können unterteilt werden in kommerzielle Lernplattformen, Open-Source-Plattformen, universitäre und proprietäre Projekte.
Die kommerziellen LMS bieten eine ausgereifte Lösung, welche sofort einsatzbereit ist, mit einer großen Funktionsvielfalt und mit technischem Support der Hersteller. Dafür ist aber mit einem sehr hohen Kostenaufwand zu rechnen. Hier ist es schwer zu sagen, wie hoch dieser liegt, da es verschiedene Varianten der Lizenzmodelle gibt. Besonders für kleine Hochschulen ist deswegen eher eine kostenlose Opensource-Software geeignet. Diese können zudem auch an individuelle Bedürfnisse angepasst werden, wenn das technische Know-How vorhanden ist.
Aber viele Universitäten und Hochschulen entwickeln auch ihre eigenen Lernplattformen, welche genau an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden. Dies geschieht meistens in klein Projekten oder Promotionsarbeiten bis hin zu fachbereichübergreifenden Großprojekten. Hierzu ist allerdings sehr viel Know-How erforderlich und es ist mit einem riesigen Entwicklungsaufwand verbunden. Unter proprietären LMS versteht man auf spezielle Funktionen oder Themen begrenzte Plattformen, diese werden meist verwendet, wenn Opensource-Lösungen den spezifischen Anforderungen nicht genügen.
Wichtige Aspekte, nach denen Hochschulen die passende Lernplattform auswählen sollte sind zum Einen die Usability für Lehrende sowie Lernende. Eine gute Benutzbarkeit sollte gewährleistet sein, damit das System unterstützen kann und nicht zusätzlich Probleme schafft. Ebenso sollte darauf geachtet werden, dass das LMS sich in die Infrastruktur der Hochschule eingliedern lässt. Es sollte in den einzelnen Fachbereichen, den Rechenzentren und Prüfungs-, Studiengangs- und Studentenverwaltungen usw. integriert werden können. Zum Anderen sollte beachtet werden, inwieweit ein Support gegeben werden kann, welcher zur Einführung oder technischen Problemen genutzt werden kann.
Natürlich gibt es auf der anderen Seite immer auch Nachteile. Hierunter fallen auf Seiten der Hochschulen der immense Betreuungsaufwand. Wenn in einer Lehrveranstaltung beispielsweise mit Wikis oder Blogs gearbeitet wird, muss der Lehrende einen Überblick über alle Arbeiten der Studenten haben und ihre Fortschritte verfolgen. Deswegen sollten die Gruppen nicht allzu groß sein, bei mehr als 20 Teilnehmern kann es schnell zu Überforderung führen. Zudem müssen die Dozenten zuallererst einmal in der Lage sein, mit den Social Media Tools umzugehen. Gerade bei älteren Dozenten kann dies zu Schwierigkeiten führen, da sie nicht mit den neuen Medien aufgewachsen sind, sondern den Umgang mit ihnen lernen müssen. Auch die Lehrmethoden müssen angepasst bzw. müssen neue eingesetzt werden. Einer umfassenden Beschäftigung mit den neuen Tools kommt oft ein Mangel an Zeit in die Quere.
Ein Problem stellt auch die Bewertung von Leistungsnachweisen im Web dar, denn eine Authentifizierung der Studenten kann hier nicht zu 100 Prozent gewährleistet werden, wie es bei schriftlichen Prüfungen der Fall ist.
Hinzu kommt noch, dass soziale Netzwerke von hohen Nutzerzahlen leben. Dies ist im Hochschulumfeld schwierig zu erzielen, da zum Einen die sozialen Räume begrenzt sind, zum Beispiel auf die Anzahl der Seminar Teilnehmer, zum Anderen müssen Urheber- und Nutzungsrechte berücksichtigt werden, welche die Verfügbarkeit stark einschränken.
Auf Seiten der Studenten kommt es nur mit Druck eines Leistungsnachweises zu einer regelmäßigen Nutzung der Social Media Tools. Und auch die Kommunikation erfolgt in erster Linie hauptsächlich außerhalb des Hochschulalltags, für die Kontaktpflege und Freizeitgestaltung.
Außerdem bietet das Web 2.0 die Möglichkeit, viele verschiedene Rollen anzunehmen und auszuprobieren, wohingegen im Zusammenhang mit der Hochschule die Rollen klar festgelegt sind.
Auf der anderen Seite werden auch den Studenten durch Social Media viele neue Möglichkeiten geboten. Besonders wichtig ist, dass ihre Medienkompetenz stark gefördert wird. Gerade in einem Studiengang wie Informationswissenschaft spielt diese eine große Rolle, denn im späteren Berufsleben werden Medienkenntnisse vorausgesetzt.
Die Kommunikation, sowohl unter den Studenten, als auch zwischen Studenten und Dozenten, wird verbessert. So kann zum Beispiel auch mit Personen, die krank sind oder sich im Ausland befinden der Kontakt gehalten werden und es kann mit verfolgt werden, was in den Veranstaltungen behandelt wurde, welche Materialien verteilt wurden und welche Aufgaben zu erledigen sind. Besonders bei Vorlesungen, welche als Podcast oder Videocast aufgezeichnet und ins Netz gestellt werden, profitieren die Studenten. Nicht nur wenn sie nicht an der Veranstaltung teilnehmen können, sonder auch, um sich diese zur Vorbereitung auf Prüfungen wiederholend anzusehen bzw. anzuhören. Dies führt zu einer Öffnung der Lehrveranstaltungen. Zusätzlich werden noch neue Möglichkeiten zur Reflexion und Partizipation geboten. In Diskussionsforen können zum Beispiel Themen weiter vertieft werden, welche in den Lehrveranstaltungen angesprochen wurden.
Mit Tools wie Dropbox oder anderen können Arbeitsgruppen vereinfacht arbeiten. Es ist nicht mehr notwendig, dass alle Dokumente an jedes Gruppenmitglied per E-Mail verschickt werden. Einmal im den Dropbox Ordner abgelegt, hat jedes Mitglied Zugriff auf die Dokumente. Dies führt zu einer besseren und schnelleren Vernetzung.
Da der Begriff Social Media sehr breit gefächert ist, wenn man ihn mit Web 2.0 gleichsetzt, gibt es ein großes Spektrum an Möglichkeiten, die sich dadurch für die Hochschulen ergeben. Deswegen werde ich im Folgenden nur einige der Vorteile nennen.
Aus Sicht der Hochschule kann man sagen, dass sich die Transparenz erhöht, wenn diese sich bei sozialen Netzwerken wie Facebook beteiligen, beispielsweise für Studieninteressierte. Besonders positive Kommentare oder die „gefällt mir“ Buttons bei Facebook können das Image der Hochschule verbessern. Denn gerade hier wird die Meinung der Studenten zum Ausdruck gebracht und diese wirken authentisch und es werden nicht, wie auf einer Universitätshomepage, nur positive Eigenschaften hervorgehoben.
Andere Formen der Social Media, wie Wikis und Blogs, bieten der Hochschule, den Professoren und Studenten viele neue Möglichkeiten für eine schnelle Verbreitung von Informationen, um Materialien bereitzustellen und Publikationen vorzunehmen. Hier ist besonders die Option des schnellen Feedbacks hervorzuheben, denn genauso schnell, wie Informationen verbreitet werden können, können auch Kritik, Lob oder andere Kommentare geäußert werden. Auch RSS-Feeds sind hier von besonderem Vorteil, da hier nicht die relevanten Informationen gesucht werden müssen, sondern einem geliefert werden. So können zum Beispiel Ausfälle aufgrund von Krankheit oder Raumänderungen bekannt gemacht werden und der RSS-Feed von den Studenten abonniert werden.
Besonders beliebt sind sogenannte Lernplattformen, welche den Hochschulen dazu dienen, den Studenten (zusätzliche) Materialien zur Verfügung zu stellen, den Studienalltag zu organisieren, die Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden zu fördern, Lerninhalte zu verwalten, sowie Leistungsnachweise abgeben und bewerten.
Seit dem Umschwung vom Web 1.0 zum Web 2.0 hat eine neue Ära des Internets begonnen, welche für Hochschulen neue Herausforderungen bietet. Der Bereich der Forschung und Lehre zieht mit. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, Social Media zum Einsatz zu bringen. Die Präsenz von Hochschulen mit eigener Homepage im Internet ist nichts Neues mehr. Hier kann die Hochschule Informationen sowohl für interne als auch für externe Interessenten zur Verfügung stellen. Seien es Neuigkeiten, wie Veranstaltungsankündigungen oder Informationen zu den Angebotenen Studiengängen. Auch die Online Einschreibung ist schon zum Standard geworden.
Im Zusammenhang mit dem Begriff Social Media liegt der erste Gedanke bei sozialen Netzwerken, welche zur Kommunikation und Selbstpräsentation der Nutzer dienen. Aber Hochschulen können an bereits vorhandenen sozialen Netzwerken partizipieren. Es können eigene Profile erstellt werden, welche zu Marketingzwecken genutzt werden oder eigene, hochschulinterne Netzwerke entwickelt werden.
Zu den weiteren Möglichkeiten, Social Media Tools an Hochschulen einzusetzen, gehören Wikis und Blogs. Diese können von den Studenten privat oder in Zusammenhang mit dem Hochschulalltag eingesetzt werden. An den Hochschulen wird das Führen von Blogs oder das Arbeiten mit Wikis besonders unterstützt und mit in den Unterricht eingegliedert, zum Beispiel als Leistungsnachweis, aber auch als Vereinfachung für Gruppenarbeiten (Wikis). Denn gerade in einem Studiengang wie Informationswissenschaften sollen die Studenten diese Technologien kennenlernen und mit ihnen umgehen können.
Auch gibt es für die Zusammenarbeit und Koordination in Gruppen Tools von Google (Google Text & Tabellen) oder Dropbox , welche Speicherplatz im Internet bieten und somit das Verschicken der Dokumente erübrigen.
Hochschulen können mit RSS-Feeds arbeiten, um die Studenten auf dem Laufenden zu halten. Hierbei können die Studierenden selbst entscheiden, welche Neuigkeiten sie erhalten wollen und welche nicht, indem nur die erwünschten Feeds abonniert werden. Die RSS-Feeds können für die Einzelnen Studiengänge, für die gesamte Hochschule oder Fachbereiche eingesetzt werden. Mit Podcasts oder Videocasts können audio oder audiovisuelle Inhalte vermittelt werden. Im Zusammenhang mit dem Einsatz an Hochschulen sind hier besonders Aufzeichnungen von Vorlesungen zu nennen, die dann online gestellt werden und für die Studenten abrufbereit sind. Diese können auch in Verbindung mit RSS-Feeds arbeiten.
Im nächsten Beitrag werde ich auf die Vor- und Nachteile dieser Einsatzmöglichkeiten von Social Media eingehen.
Dieser Blog beschäftigt sich mit dem Thema: “Lernen und Lehren in der Wissensgesellschaft: Der Einsatz von Social Media in der Hochschullehre” und dient als Modulnachweis im Fach Informationsethik, -gesellschaft und –politik im Studiengang Informationswissenschaft an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur.
Der Begriff „Social Media“ beschreibt digitale Medien und Technologien, die der Kommunikation der Nutzer dient. Er tritt im Zusammenhang mit dem Begriff “Web 2.0” auf. Es können Inhalte ausgetauscht und gemeinsam an ihnen gearbeitet werden. Beispiele gibt es zahlreiche: Weblogs und Foren, soziale Netzwerke wie Facebook oder auch Instant Messenger.
In meinem Blog werde ich mich mit dem Einsatz von Social Media an Hochschulen auseinandersetzten, dabei werde ich zuerst den Fragen nachgehen, welche Möglichkeiten bestehen, Social Media in Hochschulen einzusetzen, wie sinnvoll dieser Einsatz ist, welche Vor- oder Nachteile er bietet und welche Auswirkungen die Präsenz der Hochschulen durch oder in sozialen Netzwerken hat.
Im Zusammenhang damit fallen mir als erstes die Studentenproteste gegen die Einführung der Studiengebühren an deutschen Hochschulen ein, welche im Jahr 2005 begannen. Hier wurde in großem Maße auf Social Media gesetzt. So lief viel der Kommunikation über soziale Netzwerke wie StudiVZ oder Facebook, die Besetzungen der Hörsäle konnte per Livestream verfolgt werden. Für die Hochschulen war es schwer, etwas dagegen zu tun, weil sich die Informationen über die sozialen Netzwerke rasend schnell verbreiten konnten und kein klarer Ansprechpartner ausfindig zu machen war. Auch negativ Meldungen über einzelne Hochschulen wurden verbreitet. Doch nach und nach nutzen die Hochschulen immer mehr Social Media, sei es für Marketingzwecke oder in der Lehre. Im nächsten Beitrag werde ich genauer darauf eingehen, welche Möglichkeiten sich den Hochschulen bieten, Social Media einzusetzen.